Kroatien 3 von Kunz Mario

Die Italiener hörte ich am Samstagmorgen zum Glück nicht, dafür wurde ich netterweise von Arjen
geweckt als er wieder mal fertig geduscht hatte. Gezwungenermassen stand ich auch auf und
genoss erstens mal das angenehm warme Wasser, welches aus der Duschbrause sprudelte.
Später fanden sich immer mehr Leute im Speisesaal ein, um das zweite wie auch das zweitletzte
Frühstück im Hotel zu sich zu nehmen. Schade war nur, dass es um diese frühe Morgenstunde
anscheinend noch keine Pancakes zu geben schien, aber ich überlebte es auch ohne.
Viel Zeit für das Frühstück blieb jedoch nicht, da, wie im gestrigen Bericht schon erwähnt, wir uns
schon um 20 vor acht in der früh auf unseren jeweiligen Balkonen treffen sollten.
Kurz vorher sah man die ersten Instrumente an den Brüstungen der Hotelbalkone und vereinzelt
waren auch schon Menschen zu erkennen. Die Zahl der Instrumente wurden immer mehr, bis dann
zu besagter Zeit eine ganze Schwadron über drei Stockwerke hinweg vollbesetzt war mit Schweizer
Musikanten und ihren Instrumenten am Start.
Als ich meinen Blick nach unten wandte, erkannte ich Cedric, wie er über einen Balkon im ersten
Stock auf den Verbindungstrakt zwischen Hotellobby und Wohnteil kletterte. Verfolgt von Richard
Kunz und Noah Züger kämpften sich alle drei auf das Dach und stellen zwei Kameras auf und Cedric
nahm seinen magischen Dirigierstab in die Hand und fing an zu zählen: 1...2...3...4 und auf das
perfekte Kommando begann eine ganze Hotelwand den Choral 29 zu spielen. Schräg über mir lugten
einige Österreicher hinter der Balkontrennwand hervor und zückten ihre Handys. Das musste
natürlich gefilmt werden, denn dies war ziemlich sicher ein einmaliges Erlebnis.

Nach dem Einspielen räumten alle ihre Instrumente wieder zusammen und packten die sieben Sachen für die Reise nach Split. Um 8 Uhr sollte dann unser Car vor dem Hotel abfahren. Die Busfahrt startete sodann auch pünktlich und wir fuhren der Küste der Meeresöffnung entlang und beobachteten das Erwachen der Einwohner, die in den Dörfern zwischen Trogir

und dem südlich liegenden Split wohnen.
Nach einigen Baustellen und der Fahrt auf der für uns etwas speziellen Autobahn, wo einfach so
Garagenausfahrten und Zufahrten zu Häusern direkt auf die Schnellstrasse führten, erreichten wir die
Stadtgrenze von Split. Die Strassen waren von Bäumen am Rand wie auch in der Mitte gesäumt und
alles erschien sehr grün und sehr schön. Unsere Fahrt führte uns an das andere Ende von Split bis
wir wieder beim Meer ankamen. Kurz vor unserem finalen Halt passierten wir noch das
Fussballstadion des HNK Hajduk Split, welches danach schien langsam zu verfallen. Schon nur bei
der Vorbeifahrt spürte man förmlich das Ächzen der massiven Stahlträger die am Rande des Kessels
vorbeiführten.
Unser Konzertlokal befand sich ganz am Meer direkt neben einem kleinen Hafen, mit wenigen

Booten. Als wir ankamen und ausstiegen vernahmen wir zuerst, dass es momentan noch gerade
keinen Raum für unser Instrumentendepot gäbe und dass zuerst noch einer gesucht werden musste.
Dies ging zum Glück schneller als erwartet und wir fanden Platz in einer Art Lokal des Restaurants
oder der Bar, welche in dem gleichen Gebäude untergebracht war. Nach dem Abstellen der
Instrumente sonnten wir uns noch ein wenig auf der Terrasse der Bar und warteten bis unser Auftritt
an der Reihe stand.
Die wichtigsten konnten natürlich als erstes auf die Bühne und darum gingen auch wir Schlagzeuger
voraus. Auf die Bühne kommen war das Verlangen sie schon wieder zu verlassen ziemlich gross,
denn auch hier war Schlagzeugmaterial kaum vorhanden. Es gab zwar ein Drumset aber die Becken
schienen einfach so zu fehlen und vom versprochenen Röhrenglockenspiel war auch noch weit und
breit keine Spur. Doch wir hatten noch Glück und die eben erwähnten Röhrenglocken mussten zuerst
noch auf die Bühne gehievt werden. Vom Rand der Bühne musste es dann noch ans hintere Ende
gebracht werden. Diese Aufgabe schien auf den ersten Blick sehr trivial und einfach aber mit
zweieinhalb Rädern von insgesamt vier, erwartete uns noch eine kleine Herausforderung. Natürlich
schafften wir es und wir waren bereit mit den Vortragsstücken anzufangen.
Unsere Dolmetscherin Andrea erzählte dem noch eher kleinen Publikum etwas über unseren Verein
auf Kroatisch, Englisch und zum Schluss auch noch auf Deutsch. Kaum einen Augenblick später fing
Cedric an zu dirigieren und wir fingen an in unsere Instrumente zu blasen oder auf unser Schlagwerk
zu schlagen. Festa Paesana erklang zuerst im Theatersaal und dies in noch nie dagewesener
Qualität und Brillanz. Mit Kraftwerk setzten wir noch einen darauf und die Juroren schauten schon
richtig baff in unsere Richtung, während unser Selbstvertrauen als Musik immer mehr in die Höhe
stieg. Die Töne erklangen weiterhin klar und ohne Fehler.
Nach unserem hervorragenden Auftritt traten wir von der Bühne ab und gaben sie den Wienern frei,
welche mit uns in der gleichen Kategorie spielten. Die Instrumente wurden deponiert und man begab
sich wieder in den Theatersaal, um den restlichen Bands zu lauschen.
In den oberen linken Sitzreihen fanden wir noch angenehm Platz, direkt oberhalb der Experten,
welche man während den Vorträgen gut beobachten konnte und wie sie sich ganz unterschiedlich;
teils akribisch, teils gemütlich, Notizen zogen war ganz amüsant zu beobachten.
Beim Zuhören des Vortrages der Wiener Musikanten wurde uns bald klar, dass es sich um einen
Verein auf vergleichbarem Niveau handelte und unser beiden Punktesummen wahrscheinlich nahe
beieinander stehen würden. Wie vermutet so eingetreten; und wir mussten uns bei der
Rangverkündigung einer nur marginalen Differenz wegen geschlagen geben. Glücklicherweise
nahmen in unserer Kategorie insgesamt nur zwei Vereine teil und wir durften uns demnach mit der
gutklingenden 2. Platzierung brüsten. Natürlich würde niemand sagen wollen, dass wir demnach halt
zugleich auch auf dem letzten Platz landeten.
Die Organisatoren konnten uns noch eine Trompete als Preisgeschenk überreichen, welche nun in
der Schweiz in unserer Jugendförderung bereits im Einsatz ist. Perfekt!
Zum Abschluss erhielten wir noch ein Expertengespräch, welches insbesondere die Dynamik und
den Klangausgleich thematisierte, aber auch das philosophische Dilemma ansprach, ob ein Dirigent
jede rhythmische Einzelheit und Schwierigkeit in seinem Dirigat anleiten soll oder auch mal loslassen
solle und das Orchester das Problem selber lösen lassen solle: www.kniffligefrage.ch
Wahrscheinlich immer noch berauscht von unserem in unserem Sinne gutgelungenen Auftritt,
genossen wir erst einmal, von unserer vorangegangenen Niederlage wenig beeindruckt, auf der
grosszügigen Sonnenterrasse das prachtvolle Wetter. Das zuvor eingenommene eher deftig-
nahrhafte Mittagsmahl liess den einen oder anderen ein Nickerchen zelebrieren.
Endlich war unser Transfer zum UNESCO-Welterbe- Altstädtchen organisiert und wir lernten in den
angehenden 2 Stunden noch Vieles über den kulturellen Hintergrund des Städtchens Split kennen.
Danach war Shopping und Kulinarisches an der Tagesordnung.
Zurück im Hotel feierten wir bis spät in die Nacht hinein mit den Österreichern und den Italienern
noch Abschied. Die sonst recht geräumig anmutende Hotellobby platzte beinahe aus allen Nähten.
Alle uns zur Verfügung stehenden Instrumente wurden ausgepackt und wir versuchten der Feier- und
Spiellaune der Österreicher Paroli zu bieten. Es wurde getanzt und gesungen und ges….. bis die
Hotelbar, leider viel zu früh, ihre Pforten schloss. Das war ein herrlicher Abschied!
Alsbald gestand man sich doch noch wenige Stunden Schlaf zu, bevor es am nächsten Tag über drei
Flughäfen mit Wartezeiten, Sicherheitskontrollen und Dutyfree zurück in die Schweiz ginge.

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